Schulstunden nach der Begegnung in Marxloh

Schüler erforschten und dokumentierten die Flucht von Reinhold Meisels.
Schüler erforschten und dokumentierten die Flucht von Reinhold Meisels.
Drei Geschwister an den Stolpersteinen beim Gedenken in Marxloh. Sie sind Kinder des über Afrika nach Israel geflüchteten Reinhold Meisels.
Drei Geschwister an den Stolpersteinen beim Gedenken in Marxloh. Sie sind Kinder des über Afrika nach Israel geflüchteten Reinhold Meisels.

Bredendiek war Schulfreund des 1938 mit seinen Eltern Ida und Jakob Meisels verschleppten und 1942 ermordeten Werner Meisels.

 

Im Klassenraum bereiteten die Schüler des Gymnasiums jetzt mit ihrer Lehrerin Christina van Laack einen Blog-Eintrag für das Zentrum für Erinnerungskultur der Stadt vor. Hier hatten sie und andere Gruppen vom „Abtei“ seit 2018 zur Geschichte der Marxloher Kaufmannsfamilie geforscht. Zur Erarbeitung des Blog- Beitrags teilte van Laack nun in der Klasse Bögen mit Impulsfragen an die Schüler aus. „Schreibt nach der Begegnung mit den Nachfahren auf, über was ihr nachgedacht habt und was aus den Informationen des Zeitzeugen Herrn  Bredendiek für euch wichtig bleibt“, motivierte sie die Zwölf- und 13-Jährigen. „Eure Sätze nehmen wir dann als O-Töne für den Blog-Beitrag auf“.

 

Die Nachfahren Reinhold Meisels´, des geflohenen ältesten Sohnes der Marxloher Familie, hatten im Internet erfahren, dass die "Abtei"-Schüler die Familien-Geschichte der Großeltern und die ihres Onkels Werner erforschten. Ihn konnten die 14 aus Israel angereisten Meisels-Nachfahren nie kennenlernen.


„Von solchen Schicksalen zu erfahren und die Geschichte zu erforschen, ist mir gerade dann wichtig, wenn jetzt immer mehr überlebende Zeitzeugen der NS-Zeit sterben“, betont eine der Schülerinnen in der 7c. So freuten sich die Schüler auch über einen Austausch mit dem Zeitzeugen Karlheinz Bredendiek. Sein Schulfreund Werner, wissen sie, wäre heute 93 Jahre alt. Nachdem er Marxloh verlassen musste, wurde er 1942 im Vernichtungslager Sobibor (Südost-Polen) ermordet. Seine älteren Geschwister Reinhold und Berta kamen nach Odysseen über viele europäische und afrikanische Staaten nach Israel.

 

80 Jahre nach dem Tod seines Freundes konnte Karlheinz Bredendiek sich nun am Ort von Werners Wohnung  von seinem plötzlich verschwundenen Freund verabschieden. Dass Bredendiek noch in Duisburg lebt, hatten van Laack und die 7c kurz vor der Verlegung der Stolpersteine erfahren.  Sie machten seine Adresse aus und freuten sich, dass er sehr kurzfristig an der Gedenkstunde teilnehmen konnte. Bei der Verlegung hatten Schülerinnen des „Abtei“ auch Briefe der Familie Meisels vorgelesen.  Inhalte daraus sind bald im Blog-Eintrag  des Zentrums für Erinnerungskultur zu hören.