"Unsere" Katze - Abt Albert zum Jahresstart

Gott spricht uns an - Die Würde der Geschöpfe zählt

 „Die Katze, die kam, um zu bleiben“ ist der Titel eines sehr unterhaltsamen Buches, das ich im ausgehenden Jahr geschenkt bekommen habe. Es spielt an auf unsere „Klosterkatze“. Unsere? Na ja, wir wissen nicht, ob sie jemandem gehört, woher sie kommt. Sie war eines Tages da und hat sich in unser Herz geschlichen. Wir gehören also ihr, soviel können wir sagen. Von solchen Erlebnissen berichtet auch das kleine Buch, aus dem ich abends gerne einen Abschnitt lese, jedes Mal mit kopfnickendem Schmunzeln. Nicht nur mir allein, auch manch anderen in unserer Hausgemeinschaft hier im Kloster geht es so: Hat das Kätzchen zu essen bekommen? Geht es ihr gut? Wurde sie heute schon gesehen? Und bei längeren Abwesenheiten gibt es so manche sorgenvolle Blicke über den Gartenzaun. In den Büros, unten in der Verwaltung, tun wir uns schwer, nicht die Tür zu öffnen, wenn das Kätzchen davor jammervoll maunzt und miaut. Draußen ist es kalt und das Fell könnte nass werden …

 

Oft denke ich dann an das bekannte Zitat von Antoine de Saint-Exupéry: „Du bist zeitlebens für das verantwortlich, was du dir vertraut gemacht hast!“ – Aber wer hat sich hier wen vertraut gemacht?

 

Bischof Reinhold Stecher hat vor vielen Jahren von einem behäbigen Kater berichtet, der es sich in der Weihnachtszeit in der Krippe bequem gemacht hat. Die Heilige Familie hat er dazu auf die Seite geschoben. Unser Kätzchen tut so etwas nicht – Gott sei dank! Es würde einer Klosterkatze auch nicht besonders gut zu Gesichte stehen. Sehr wohl hat sie recht großes Interesse an der Weihnachtskrippe. Sie untersucht und beschnuppert alles, aber mit äußerster Vorsicht und ohne etwas umzustoßen. Natürlich folgen ihr dabei unsere sorgenvollen Blicke, ob nicht doch vielleicht der Heilige Josef ins Wanken gerät oder gar ein Heiliger König vom Kamel fallen könnte. Nichts dergleichen passiert. Nur unsere Aufmerksamkeit hat sich von „unserem“ Kätzchen auf die Weihnachtskrippe gerichtet. Die einfache Kreatur Gottes hat uns aus unserer alltäglichen Geschäftigkeit herausgeführt und unsere Aufmerksamkeit geweckt für das, was uns so unsagbar wertvoll ist: das Weihnachtsgeschehen, die Menschwerdung Gottes, dargestellt in der Krippe, überliefert in den Texten der Evangelien. Man mag abwinken: Ach was, Katzen wollen nur einen „Dosenöffner“. Deshalb sind sie freundlich zu uns und erziehen sich die Menschen. Man kann es aber auch anders sehen: Sie brauchen unser Erbarmen mit ihnen, wie jede Kreatur. Sie rühren auch an unser Herz, unsere Milde. Und so gesehen spricht auch durch sie DER zu uns, der Mensch und Tier geschaffen hat. Und wenn Güte, Milde, Menschenfreundlichkeit und das Erbarmen mit jeder Kreatur in unserem Leben mehr Raum gewinnen, dann kann ER auch in unserem Leben Mensch werden.

 Ich wünsche Ihnen und uns allen, besonders für das neue Jahr 2022, dass das Evangelium, die befreiende Botschaft von der Menschwerdung Gottes immer mehr Raum in uns gewinnen möge. Mögen alle Begegnungen der Menschen untereinander und auch die einfachste Kreatur Gottes uns dabei helfen, unser Leben prägen zu lassen, bekleidet mit Güte, Liebe und Geduld.

 

 

Gottes reichen Segen für ein glückliches Jahr 2022 - und eine frohe Weihnachtszeit

Ihr +Albert Dölken, Pfarrer