Orgelimprovisation zu den Gedichten 16-jähriger aus Hamborn

Crossover. Das Projekt des besonderen Konzerts in der Abtei entwickelten Prof. Mechler (li., Köln) und Dr. Keidel (Duisburg) mit ihren Klassen von der Uni und dem Berufskolleg. Ein Interview:

 


Begegnung der Künste - ,,mit Spannung und Zauber"

  „Crossover - Literatur und Orgel“. Dieser Konzert- und Literaturabend in der Hamborner Abtei findet am Dienstag, 14. Juni, 18.30 Uhr, statt. Erstmals gibt es in diesem Rahmen die Zusammenarbeit des Duisburger Sophie-Scholl Berufskollegs und der Kölner Hochschule für Musik und Tanz. Verantwortlich sind das Musikkolleg Abtei Hamborn sowie die Dozenten Professor Dr. Thierry Mechler (Köln) und Dr. Matthias Keidel (Duisburg) mit Studentinnen und Schülern ihrer Klassen.  Zuhörer erleben die jungen Frauen und Männer in St. Johann dann, wie sie eigene Kreativ-Texte vortragen und andere sie vertonen. Texte, die die angehenden Erzieherinnen und Erzieher aus Duisburg über „Mit Musik leben“ geschrieben haben, setzen die Kölner Orgel-Studierenden als sieben Improvisationen wenige Minuten später um. 


Im Interview berichten der Literaturwissenschaftler und Musikpädagoge Dr. Keidel sowie der Orgelkünstler und Professor Dr. Mechler über die Idee zu dem Abend, die bei ihrer Begegnung im Musikkolleg Abtei Hamborn entstand.

 

-Kreativ-Texte schreiben... Ist das öfter Unterrichtsthema in Ihrer Deutsch- oder sogar in der Musikklasse in Duisburg? Und wie kam Ihr Vorschlag einer Präsentation der Texte in der Hamborner Abtei in den Klassen an?

Dr. Matthias Keidel: In Deutsch ging es für unsere angehenden Erzieherinnen und Erzieher um Gedichte. Da lag es nahe, Gedichte zu einem Thema selbst zu schreiben. Überraschend war dabei die große Ehrlichkeit und Emotion der 16- bis 18-jährigen Jugendlichen. Beim Lesen dieser Texte zu Impulsen wie „Ohne Musik kann ich nicht leben“ und auch „Kopf, Herz und Bauch“ fühlt man sich bereits nach einigen Sekunden in Gedichte als Teil des Lebens der jungen Leute ein. Musik ist ohnehin Gefühl pur. Sie wird in der Abtei beim Thema „Kopf, Herz, Bauch“ sicher auch menschliche Kontakt- und Beziehungsfragen musikalisch interpretieren.

       

 -Was ist für Sie und Ihre Kölner Klasse der Reiz dieser Zusammenarbeit, zu der Ihre Studentinnen und Studenten nach Duisburg kommen?

Prof. Thierry Mechler: Wir freuen uns immer, die Hochschule zu verlassen, um Menschen zu treffen, andere Orte. Dabei entdecken wir jeweils die unterschiedliche Atmosphäre und freuen uns, schöne Instrumente zu spielen. All dies ist inspirierend und sehr motivierend für junge Studenten. So freuen wir uns auf St. Johann in Hamborn.

 

-Eine Frage an Sie beide: Kunst und eine solche Zusammenarbeit leben von Atmosphäre und oft auch Zauber. Was erwartet die Zuhörerinnen und Zuhörer?

Dr. Keidel: Zuallererst werden sie erleben, dass sie gefragt sind. Es ist wichtig dabei zu sein, weil hier Literatur und Musik ohne festes Programm in Beziehung zu Menschen treten. Die Zuhörenden gehören mit Emotionen und ihrem Empfinden dazu. Keiner weiß, was passiert. Aber jede oder jeder muss seine Ohren öffnen -  und vielleicht auch sein Herz.

 

 

 

Prof. Mechler:  Die Zuhörerinnen und Zuhörer hören und spüren die Texte sowie vor allem die Aufrichtigkeit des Vorgehens der Interpreten und den innovativen Charakter der Musik. 

 

-Waren die Schülerinnen und Schüler überrascht,  in einer Kirche aufzutreten? Und wie haben sie ihre Texte für die geplante Orgel-Improvisation ausgewählt?

 

Dr. Keidel: Die Jugendlichen waren zuallererst überrascht und haben große Augen gehabt. Dann haben sie verstanden, was da passiert. Und schließlich entschieden: ,Wir wollen. Und da kommt´s drauf an.´ Aus den zwei Klassen hatten wir fast drei Dutzend Texte und Gedichte von 38 Schülerinnen selbst oder aus Schülergruppen, die zusammenarbeiten. Dann wählten beiden Klassen sieben Texte aus und entschieden sich, wer seine Gedichte am 14. Juni selbst oder wer die von anderen am besten vorträgt.

 

-Können Sie schon vor dem Konzertabend etwas vom Gewinn des Crossover-Projekts für beide Klassen formulieren?
Prof. Thierry Mechler:  Wir freuen uns sehr, diesen kulturellen und Begegnungsmoment mit den Schülern zu teilen, die sich dem Schreiben dieser eindrucksvollen und tiefgründigen Texte gewidmet haben. Die Worte werden zu Klängen. Und sie inspirieren dann neue Musik… Das Wichtigste ist für uns, den einzigartigen Moment der Gegenwart zu spüren und diese Emotion in spontane Musik zu verwandeln. Die Schöpfung ist ein magischer Moment, in dem man lernen muss, loszulassen!

Dr. Matthias Keidel: Nach der langen Corona-Durststrecke ist es ein Segen, dass so eine Begegnung der Künste und der Menschen wieder möglich wird, für die Schule in Hamborn, die Hochschule, die Mitwirkenden und natürlich für all unsere Gäste des Abends.